Richtspruch
Familie Kienzler — Schiltach, 15. Mai 1998

Richtspruch

Für den der Ruh und Freiheit liebt,
es einen besseren Rat nicht gibt,
als sich ein Häuschen zu erwerben
und drin zu leben und zu sterben.

Zur Freiheit und Bequemlichkeit
zählt Eintracht und Zufriedenheit,
wenn man sie recht genießen will
im Kreis der Lieben froh und still.

Dies mag der Himmel immer geben,
dann trägt sich alles leicht im Leben
und es verzagt des Menschen Herz
auch nicht im herben Leid und Schmerz.

Gott breite über dieses Haus
drum gütig seine Hände aus
und wehre Feuer, Sturm und Tod,
bewahre es vor Leid und Not!

Auch soll es nie am Nötigen fehlen,
dass man sich niemals braucht zu quälen
um seinen Unterhalt mit Sorgen
von einem bis zum andern Morgen.

Zudem sei allen noch beschieden
Glück und Gesundheit stets hienieden.
Damit sich alles dies erfüllt,
mein erstes Glas dem Bauherrn gilt.
Die Bauherrschaft, sie lebe hoch, hoch, hoch!

Das zweite Glas dem Architekten:
Hoch soll er leben, hoch, hoch, hoch!

Nun brauchte man zu allen Zeiten
nicht nur den Kopf, nein auch die Hand.
Drum noch ein Hoch den Maurern und den Zimmerleuten,
durch deren Kraft der Bau entstand.
Hoch sollen sie leben, hoch, hoch, hoch!

Nun ist das Glas wohl ausgeleert
und weiter für mich nichts mehr wert,
drum werf’ ich es zu Boden nieder —
zerschmettert braucht es keiner wieder;
doch Scherben bedeuten Glück und Segen
der Bauherrschaft auf allen Wegen!

Nun Glas zersplittere im Grund,
geweiht sei dieses Haus zur Stund.

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